Qualitäten – Messung wissenschaftlicher “Qualität” mit dem Impact-Faktor? Ist der Impact-Faktor überhaupt relevant?

Seit der Gründung des “Science Citation Index” und der Einführung des sogenannten Impact-Faktor (IF; “impact factor”), verstärkt durch allgegenwärtige EDV, hat sich die Vorstellung ausgebreitet, durch simples Zählen von Zitaten, die eine wissenschaftliche Arbeit erhält, sowie der durchschnittlichen Anzahl der Zitate zu den Publikationen in einer bestimmten Zeitschrift, könne wissenschaftliche “Qualität” gemessen werden. Im Laufe der Zeit hat sich dazu eine Art wissenschaftssoziologische Forschungsrichtung entwickelt, die sich unter anderem damit befasst, Rangfolgen vom Wissenschaftlern, Hochschulen oder sogar Ländern zu erstellen bezüglich ihrer wissenschaftlichen “Produktivität” und “Qualität”, in einfacher Weise gemessen durch die Anzahl der Zitate. Andererseits gibt es auch zahlreiche kritische Berichte und Untersuchungen zu dieser Entwicklung, die diese simple Quantifizierung von “Qualität” widerlegen und es gibt zunehmend Bestrebungen, etwa die “San Francisco Declaration of Research Assessment”, die unsachgemässe Anwendung des IF zu unterbinden. Hingegen erschient es möglich, durch differenzierende Anwendung des IF, wie beispielsweise auf verwandte Arbeiten sowie durch Abgleich von Zitaten in wissenschaftlichen Arbeiten Aussagen über “Qualität” oder “Originalität” oder “Interdisziplinarität” zu gewinnen. Diese Anwendung des IF zeigt auch, dass der IF nicht zur Beurteilung von wissenschaftlicher “Produktivität” und “Qualität” geeignet ist, d.h., der IF kann zum Nachweis seiner eigenen Irrelevanz verwendet werden.

Gerhard Knothe