Qualitäten – Ein Paradigmenwechsel zugunsten der Älteren im Arbeitsmarkt – Über die Entwicklung der Betrachtung von Qualitäten

Als 2005 die arbeitsmarktpolitische Intention zur Unterstützung älterer langzeitarbeitsloser Menschen in das Arbeitsmarktprojekt „Perspektive 50plus“ Eingang fand, stellte das einen tatsächlichen Paradigmenwechsel dar. Vor dem Hintergrund der immer deutlicheren gesellschaftlichen Konsequenzen des demografischen Wandels als auch in der bis dahin öffentlich und zunehmend lauter geführten Diskussion zur Renten- und Sozialpolitik erfuhren die Älteren in der Arbeitsmarktpolitik neue Aufmerksamkeit. Ein Ziel des Bundesprogramms war, die Beschäftigungschancen älterer Langzeitarbeitsloser zu verbessern und sie wieder dauerhaft in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu integrieren. Ganz wörtlich im Sinne der „Perspektive 50plus“ war es ein Umsetzungsschwerpunkt, den Teilnehmern neue Perspektiven zu eröffnen, ihnen Wege aufzuzeigen sich ihrer Ressourcen wieder bewusst zu werden und ihre eigenen Qualitäten wertzuschätzen. Aus dieser Haltung heraus sollte für sie wieder Zugang zu gesellschaftlicher Anerkennung und Teilhabe entstehen – und sich so im besten Fall auch wieder der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt erschließen.
Um eine Ein“schätzung“ des Wertes und der Qualität älterer Langzeitarbeitsloser vorzunehmen, mussten diese zuerst einmal bewusst wahrgenommen werden. Denkanstöße dazu bekam die Politik in den letzten Jahrzehnten immer wieder durch Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Wurden Ältere im Arbeitsleben tendenziell nicht mehr gewünscht, benötigt? Hatten sie für Unternehmen noch „brauchbare“ Qualitäten? Und besaß umgekehrt Arbeit an sich keinen Wert mehr für Ältere? Hatte sich deren Einschätzung der eigenen Lebensqualität losgelöst vom Wert der Arbeit, vom Besitz eines Arbeitsplatzes, vom eigenen erwirtschafteten Einkommen?
Nach zehn Jahren Projektlaufzeit steht fest: Die Inklusion von Älteren in den Arbeitsmarkt ist von großer Wichtigkeit und nach wie vor von Dringlichkeit. Ältere Menschen sind wertvoll für den Arbeitsmarkt. Soll den Auswirkungen des demographischen Wandels langfristig Rechnung getragen werden, müssen ältere Arbeitslose genauso wie die Unternehmen motiviert und bei ihren Integrationsbemühungen unterstützt werden. Genau das leistete die „Perspektive 50plus“. Eine Bilanz der Erfahrungen aus zehn Jahren Projektlaufzeit mit unterschiedlichen Perspektivwechseln zum Thema Qualitäten.

Sabine Braunersreuther